Werbung für Kunst
Kunst für Werbung

Werbung und Leerraum

die bedruckten Papiertischsets um, sodass die weisse Fläche seinen Teller umrahmte. Auch bedruckte Plastiksäcke wurden umgedreht und die Labels aus den Kleidern entfernt. Werbung ist allgegenwärtig, nicht wegzudenken. Das Denken über das Nichtvorhandensein der Werbung ist ein Wagnis. Man denkt an totalitäre Staaten, an Verbote, an Leb- oder Freudlosigkeit. Eine Arbeit des Künstlers Reinhard Manz: In der Greifen-gasse in Basel hat er, von der Mittleren Brücke bis zum Claraplatz, alle Werbung, alle Schriften und Schilder mit Packpapier abgedeckt. Jegliche Informationen sind verschwunden. Das Fehlen schafft Raum, visuellen Raum und Raum fürs eigene Denken. Direkt nach der Wende war das die Faszination z.B. in Ostberlin; dieser Raum, das Fehlen der unzähligen Schriften, Farben und Bilder, die Leere. Gegen Tristesse und Ödnis traten billige, schlecht gemachte Warenanpreisungen an und füllten die Leere, ohne die Situation zu verbessern. Der Leerraum wäre eine Chance gewesen, doch hat leider vor allem schlechte Gestaltung diesen Raum vereinnahmt. Nichts gegen gute Werbung. Auf die freue ich mich, zum Beispiel im Kino. Ich mag diese satte Einstimmung auf das Geschehen auf der Leinwand, und zwar das ganze Programm; Werbung, Trailer, Vorspann und dann endlich der Film. Dabei fällt mir jedoch gleich wieder eine Arbeit ein, die sich der Leere widmet: Hiroshi Sugimotos Schwarz-Weiss-Fotografien von leeren Kinosälen mit leuchtender, weisser, reiner, leerer Leinwand. Es fehlen die Farben, das Publikum, der Film. Und genau das macht diese Bilder interessant, schön und offen.»

Esther Hiepler
1966 geboren in Stuttgart, lebt und arbeitet in Basel

New York Wände

Reklame

«1983 war ich für ein paar Tage in Berlin. Mit einem Freund aus Holland besuchte ich an einem Nachmittag den Osten der Stadt, U-Bahnfahrt bis Station Friedrichstrasse, Zwangsumtausch, Visum für einen Tag. Da wir nicht wussten, wie wir die umgetauschten Ostmark loswerden sollen und die viel gepriesenen Buchläden überhaupt nichts Interessantes anboten, stiegen wir gegen Abend in den Lift des Fernsehturms am Alexanderplatz, um die Stadt von oben zu sehen. Es war am Eindunkeln, und je dunkler es wurde, desto mehr veränderte sich die Stadt direkt unter uns in einen grauen See, mit vereinzelten Lichtern drin zwar, für mich jedoch fremd und eigenartig beklemmend. Von jenseits der Mauer aber übermittelten mir all die tanzenden Lichter der Reklameschilder Grüsse aus der Heimat.»

Remo Hobi
1960 geboren in Walenstadt, lebt und arbeitet in Basel

des Kaiser Reiskörner

Studio Line

«Werbung interessiert mich insoweit, als man ihre Möglichkeiten und Strategien ausloten kann. Mit der Kunst ist die Werbung schon längst verschwägert; ein Unterschied besteht vielleicht in der Tatsache, dass Kunst im Museum und Werbung auch im Museum gezeigt wird; hätte aber die Kunst ein Budget wie die Werbung und zeigte die Werbung so viel Selbstlosigkeit wie die Kunst, könnte man beide nicht voneinander unterscheiden. Wenn Werbung von Benetton im Museum für moderne Kunst in Frankfurt gezeigt wird, ist das eine Bereicherung für die Kunst, und wenn Cindy Sherman für Comme des Garçons arbeitet, ist dies natürlich eine Bereicherung für die Werbung.»

Christian Schoch
1961 geboren in Brugg, lebt und arbeitet in Basel

Paul

Netze

«Und aus den Spuren macht man Strukturen und diese organisiert man zu Systemen, und zur Steuerung setzt man Schaltstellen ein. Sie werden bedient von Menschen. Und die Menschen werden von ihren Motiven gesteuert. Macht und Geld sind geil und bequem, unglaubliche Treibmittel, um dies alles in Gang zu halten, natürlich hat es einen Preis, nur danach zu leben und aufzugehen sein ganzes Leben lang wie ein satter, fester Teig. Aber damit kann man leben, darum geht es ja...»

airline
airline-crew besteht seit 1998 aus einer wechselnden Formation.

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